Es
war am Alten Teichweg,
wo sich siebzehn Kleingärtner an einem Apriltag des Jahres
1913 im Lokal Harms einfanden. Sie schlossen sich zu einer
Gemeinschaft zur Überwachung ihrer Laubengärten am Alten
Teichweg/Kielkamp zusammen, die durch die vielen Diebstähle
recht schutzbedürftig waren. Aus diesem Zusammenschluss
entstand am 13.Oktober 1913, mit ca. 100 Gründungsmitgliedern,
der „Laubengartenverein Teichweg-Kielkamp e. V.“. Unter dem
Vorsitz von Karl Benzin hielten die Gartenfreunde das
Gelände bis 1915, dann wurde das Gelände für den Ausbau des
Stadtteils Barmbek gebraucht. Die Kleingärtner – es waren
mittlerweile 180 geworden – räumten also ihren Grund und
zogen an das obere Ende des Alten Teichwegs, an die
Wiesenkoppel, westlich des Dulsbergbades.
Unter
Führung der Vorsitzenden, Gartenfreunde Seligmann und
Malke (bis 1926) wurde dieses Gelände kultiviert.
Bereits 1925 errang der Laubengartenverein von 1913, wie er
nun hieß, den 1.Preis des Hamburger Senates. 1926 übernahm
Gartenfreund Otto Hink die Vereinsleitung. Es wurden
ein Vereinshaus und ein Kinderspielplatz gebaut, aber bereits
nach acht Tagen brannte das Haus – durch gemeine Brandstiftung
verursacht – völlig nieder. Eine Umlage unter den zähen
Mitgliedern ließ 1927 ein massives Vereinshaus entstehen.
Als 1926
Hamburgs Kleingärtnerschaft im Stadtpark die große
Gartenausstellung zeigte, war es der Laubengartenverein, der
einen der vier Mustergärten aufbaute. Leider war das Glück
1928 vorbei. Wieder einmal musste der Laubengartenverein dem
Städtebau weichen. Otto Hink wurde mit seinem Verein
nach Wandsbek umgesiedelt. Es fanden nur 86 Mitglieder Platz
auf dem Gelände der Wandsbeker Abfuhrkoppel am Bernerweg, der
heutigen Tilsiter Straße. Trotzdem guten Mutes bauten diese 86
„Laubengärtner“ das Gelände nach einem Plan des Hamburger
Kleingartenamtes, das den modernsten Gesichtspunkten
entsprach, wieder auf. Die Mitte bildeten das Vereinshaus
(das Dach des Hauses hatte man vom Dulsberg mitgebracht) und
ein Spielplatz.
Für
diese grandiose Leistung unter der Führung des Vorsitzenden
Otto Hink wurde dem "Laubengartenverein" 1930 als erstem
Gartenverein überhaupt, der neue Wanderpreis der Hamburger
Baubehörde verliehen. Groß ist die Zahl der Ehrungen und
Preise, die der Verein errang. Um nur die Wichtigsten zu
nennen: Alle drei Medaillen des Reichsverbandes in Bronze,
Silber und Gold, ebenso die zwei des "Landesverbandes
Groß-Hamburg" in Bronze und Silber, sogar ein Ehrenpreis der
Stadt Wien und des Preußischen Wohlfahrtverbandes, von den
Diplomen aller Art ganz zu schweigen.
Der
Krieg, und namentlich die Julinächte 1943 trafen die fast
ausnahmslos in Hamburg wohnenden Mitglieder schwer. Von den 86
Mitgliedern mussten sich 67 Unterkünfte auf ihren Parzellen
bauen. 1945 übernahm Otto Wichel von Otto Hartmann
den Vorsitz des Laubengartenvereines. Er hat es geschafft, in
unermüdlicher Kleinarbeit den mustergültigen Kleingärtnergeist
wieder herzustellen. In musterhafter Gemeinschaftsarbeit wurde
1952 ein neues, massives Vereinshaus errichtet. Allwöchentlich
trafen sich hier Mitglieder und Nachbarn aus Hinschenfelde zu
fröhlichen und wertvollen kulturellen Veranstaltungen.
Theateraufführungen der „Niederdeutschen
Bühne
Süd-Holstein“
waren sehr beliebt.
1952 gewann der Laubengartenverein bei
einem Wettbewerb der Hamburger Baubehörde die Wegbeleuchtung.
Leider fielen das Vereinshaus mit 49 Parzellen 1959 der
Erbauung der Wohnsiedlung Eydtkuhnenweg zum Opfer (der Grund:
wieder einmal die wachsende Stadt). Das Vereinshaus wurde auf
Parzelle 69 umgesetzt, fiel dann aber 1966 endgültig der
Sanierung zum Opfer. Es wurde erst aus Kosten-, später aus
Platzgründen nicht wieder aufgebaut.
Im Jahre
1988 feierte der Verein unter dem Vorsitz von Achim
Niedmers (1985 - 1990), sein 75-jähriges Bestehen.
Hierzu waren auch Bundes- und Landespolitiker aller Parteien
eingeladen, die vollmundig die Schreberbewegung lobten und
versprachen, sich für ihren Bestand einzusetzen.
Zwei
Jahre später dann die kalte Dusche: Durch den Bau des
Aussiedlerheimes an der Pillauer Straße, und den zu
erwartenden Bau des Blinden- und Altenheimes Falkenried wurde
unser Vereinsgelände zuerst um zwei, später um fünf Parzellen
verkleinert.
Doch durch die Art der Vereinsführung von
Horst Benzin, der den Vorsitz von 1991 bis 2003
übernahm, schöpften alle Mitglieder, vor allem die jüngeren
wieder Mut.
In
dieser Zeit wurde auch, unter ideenreicher Mithilfe des
Gartenfreundes Henner Woite das Symbol, dass heut zu
Tage die Briefköpfe des
Laubengarten
- Vereines ziert, geschaffen.
Im Jahr 2006 hat der
Laubengarten-Verein von 1913 e.V. 32 Parzellen, 45
Mitglieder und 3
Förder- Mitglieder, die
mit ihren Familien ihre Parzellen zur kleingärtnerischen
Freizeitgestaltung nutzen.
Viele
Anwohner und Mitarbeiter der angrenzenden Gewerbebetriebe
nutzen unsere „Grüne Oase“ mitten im Herzen Wandsbeks,
um hier ihre Mittagspause und Freizeit zu genießen.
Diese
Zeilen sind ein Stück Geschichte der Hamburger
Kleingartenbewegung, die Dank solcher Gartenfreunde wie
Karl Arndt, Otto Wichel und Horst Benzin auf Jahre
hinaus dokumentiert wurden. Es ist eine Geschichte, die nicht
verstummen darf und hoffentlich von unserer Jugend weiter
dokumentiert wird.
Ein
Zeitungsartikel von 1931 sticht mir dabei besonders ins Auge:
Über alle Rückschläge und Hemmnisse hinweg hielt eines die
Laubengärtner zusammen:
Die Kameradschaft...
Wir
hoffen, dass unser "Laubengarten-Verein" noch unberührt von
den Plänen einer „wachsenden Stadt“ seinen 100. Geburtstag an
der Tilsiter Straße feiern kann . harald
haak.